Außenpolitik

Seit der Öffnung des Landes Mitte des 19. Jahrhunderts strebt Japan danach, zu den obersten Weltmächten aufzurücken. Japan ist seit 1956 Mitglied der Vereinten Nationen sowie Gründungsmitglied der G8 von 1975.

Japan strebt einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an, ebenso wie Deutschland, Brasilien und Indien („G4-Staaten“) – bisher jedoch ohne Erfolg.

In den letzten Jahrzehnten gewann Japan zunehmend größere politische Verantwortung durch die Teilnahme an friedenserhaltenden Maßnahmen der Vereinten Nationen und die Beteiligung am Wiederaufbau im Irak, in Afghanistan, Nahost und Ost-Timor. 

Japan ist eines der größten Geberländer und investiert große Summen in die Entwicklungshilfe. Dahinter steckt zum Teil der Wunsch, die Einflusssphäre auszudehnen, etwa in Südostasien. Japan ist außerdem bekannt für seine „Scheckbuchdiplomatie“. Das heißt, Japan bietet wirtschaftlich schwächeren Ländern vor internationalen Abstimmungen finanzielle Unterstützung an und erwartet von dem Land im Gegenzug die Stimmabgabe im Sinne Japans.
 

Japan und die USA


Japans Außenpolitik ist stark beeinflusst von den Vereinigten Staaten von Amerika. Unter General Douglas MacArthur übernahmen die USA sieben Jahre nach dem zweiten Weltkrieg die Neuausrichtung und Regierung des Landes. Noch heute ist die Beziehung zum ehemaligen Besatzer und nunmehr wichtigsten Bündnispartner sehr eng. 1960 schlossen die beiden Nationen einen Sicherheitsvertrag. Dieser bedeutet zum einen, dass die Vereinigten Staaten Japan im Angriffsfall verteidigen. Im Gegenzug wurden amerikanische Militärbasen in Japan eingerichtet, die Mehrzahl davon auf den Okinawa-Inseln. Dies ist für die USA vor dem Hintergrund des rasanten Aufstiegs von China geostrategisch sehr wichtig.

Trotz der pazifistischen Verfassung stimmte das japanische Parlament 2004 erstmals seit 1945 der Entsendung japanischer Soldaten in ein fremdes Land, den Irak, zu, wo sie beim Aufbau der Infrastruktur halfen. Dies wurde innenpolitisch einerseits als Beweis der freundschaftlichen Beziehungen zu den USA gesehen, Kritiker des Einsatzes werteten dies als Verfassungsbruch. 2006 wurden die Truppen wieder abgezogen.

Aus ähnlichen Beweggründen, also um Loyalität und Nähe zu den USA zu demonstrieren, beteiligt sich Japan seit einigen Jahren an der Betankung von amerikanischen Kriegsschiffen im Indischen Ozean. Vor diesem Hintergrund sind auch die 2015 verabschiedeten Sicherheitsgesetze zu sehen. Diese ermöglichen japanischen Soldaten, den Verbündeten – vor allem den USA – im Konfliktfall mit Waffen zur Seite zu stehen. Die Gesetze sind in Japan sehr umstritten, werden von den Vereinigten Staaten jedoch sehr begrüßt. Diese erhoffen sich von einem militärisch erstarkten Japan eine Entlastung bei den eigenen Militärausgaben. (Stand: 2015) 

Japans Verhältnis zu den Nachbarländern


Japan streitet sich seit Jahrzehnten mit umliegenden Staaten um verschiedene Inselgruppen: mit Russland um die Südkurilen, mit Korea um die Takeshima-Inselgruppe (Koreanisch: Dokdo) und mit China und Taiwan um die Senkaku-Inseln (Chinesisch: Diaoyu). Da die imperialistische Vergangenheit Japans kaum aufgearbeitet wurde, gestalten sich die Gespräche mit den Nachbarn auf dem Festland als anhaltend schwierig.

Anlässe für antijapanische Proteste geben regelmäßig Besuche japanischer Premierminister und Spitzenpolitiker am Yasukuni-Schrein in Tokyo. Dort werden unter anderem 14 verurteilte japanische Kriegsverbrecher verehrt. China und Korea werten die Besuche daher als Affront.

Als besonders schwierig gestaltet sich die Beziehung zu Nordkorea, für das Japan als ehemalige Kolonialmacht immer noch der Hauptfeind schlechthin ist. Dies ging so weit, dass in den 1970ern japanische Staatsbürger, darunter Kinder, von der nordkoreanischen Regierung entführt wurden, um als Spione ausgebildet zu werden.

Die nuklearen Ambitionen von Nordkorea geben Japan regelmäßig Anlass zur Sorge. Japan nimmt an den „Sechser-Gesprächen“ teil, in denen das Nachbarland davon überzeugt werden soll, Nuklearwaffen aufzugeben.

Das Verhältnis zu Südkorea ist besser, wenn auch weiter durch Japans Rolle als ehemaliger Kolonialherr geprägt. Ein anhaltender Konfliktpunkt ist die Tatsache, dass Japan im Zweiten Weltkrieg Zehntausende koreanische Frauen zur Tätigkeit in Soldatenbordellen zwang. Infolge solcher Probleme fanden zum Teil jahrelang keine bilateralen Gespräche auf der obersten Regierungsebene statt. 

Die Beziehung zwischen Japan und Taiwan, das von Japan von 1895 bis 1945 besetzt wurde, ist vergleichsweise gut. Offizielle diplomatische Relationen werden jedoch nicht unterhalten, um nicht mit der „Ein-China“-Politik der chinesischen Regierung in Konflikt zu geraten. 

Japan und die EU


Nach einer politischen Erklärung im Jahr 1991, die das Verhältnis zwischen Japan und der Europäischen Union regelte, wurde 2001 ein „Aktionsplan“ zur Zusammenarbeit in der Wirtschaft, der Außenpolitik, der Finanzpolitik, der Entwicklungshilfe und der Kommunikationstechnologie verabschiedet. Insgesamt haben Japan und die Länder der Europäischen Union ein gutes Verhältnis zueinander, insbesondere bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die Beziehung soll durch den Abschluss eines Freihandelsabkommens ausgebaut werden (Stand: 2015).