Bildungssystem

Das japanische Schulsystem wird oft als 6-3-3-4-System bezeichnet, nach der Anzahl der Jahre, die man die jeweiligen Schulen besucht. Es entstand in seinen wesentlichen Zügen in der frühen Nachkriegszeit. Unterteilt ist das japanische Bildungssystem in Kindergarten, Grundschule, Mittelschule, Oberschule und Universität. Die Schulpflicht beträgt neun Jahre. Eine Regelung, die dem deutschen „Sitzenbleiben“ entspricht, gibt es in Japan nicht. Es gibt sowohl öffentliche als auch private Schulen, letztere mit höheren Kosten verbunden. Anders als in Deutschland ist das japanische System auf das Bestehen von Eingangsprüfungen an Schulen ausgerichtet. Die Noten am Ende des Studiums sind oft weniger relevant als der Ruf der Universität. Dies führtedazu, dass manchmal sogar Kindergärten die Kinder Prüfungen machen lassen, um über ihre Aufnahme zu entscheiden – der Beginn der „Examenshölle“ für viele Schüler. Sie stehen unter hohem Leistungsdruck, der von Schulen und auch Eltern ausgeübt wird. Schulferien sind im ganzen Land einheitlich. Anders als in Deutschland beginnt das japanische Schuljahr nicht im Herbst, sondern am ersten April. In der Mittel- und Oberschule sind Schuluniformen üblich, in Kindergärten und Grundschulen eher selten. Auf Bildung wird in Japan großen Wert gelegt. 99 Prozent der Japaner ab 15 können lesen und schreiben (Quelle: CIA World Factbook, 2002). Rund die Hälfte aller Japaner absolviert ein Universitätsstudium, das die meisten mit einem Bachelor-Titel abschließen. Details zu Universitäten und Studienabschlüssen finden Sie im Kapitel „Karriere“ unter dem Punkt „Studium“.

Aufbau des Schulsystems

Kindergarten Der Besuch eines Kindergartens fällt in Japan nicht unter die Schulpflicht, obwohl über 90 Prozent aller Kinder für einige Jahre einen Kindergarten besuchen. Es gibt zwei Formen, den „yochien“, wo die Aufnahme erst ab drei Jahren möglich ist, und den „hoikuen“ (Hort), wo Kinder ab einem Alter von zwei Monaten betreut werden. Schon im Kindergarten wird mit dem Erlernen von Hiragana, einer der beiden Silbenschriften des Japanischen, begonnen. Grundschule Sobald ein japanisches Kind das sechste Lebensjahr erreicht hat, unterliegt es der Schulpflicht und besucht im Normalfall sechs Jahre lang die öffentliche Grundschule in seiner Gemeinde. Der Anteil an privaten Grundschulen liegt bei weniger als einem Prozent. Mittelschule Die Mittelschule dauert drei Jahre. Um eine angesehene Privatschule besuchen zu können, müssen die Schüler sich zunächst einer Aufnahmeprüfung unterziehen. Wie bei den Grundschulen sind aber auch bei den Mittelschulen Privatschulen eher selten. In der Regel herrscht an japanischen Mittelschulen Uniformzwang. Mit Abschluss der Mittelschule nach der neunten Klasse endet in Japan offiziell die Schulpflicht nach dem 15. Lebensjahr. Oberschule Dennoch besuchen etwa 97 Prozent aller Schüler im Anschluss die dreijährige Oberschule. Die Aufnahmeprüfung ist obligatorisch. Der Schwierigkeitsgrad und die Kosten variieren stark nach dem Ansehen der jeweiligen Schule. Ein Viertel der Schüler besucht Privatschulen. Der Abschluss der Oberschule ermöglicht formal den Eintritt in eine Universität. Es gibt jedoch keine Abschlussprüfung. Außer der allgemeinbildenden Oberschule gibt es auch noch spezielle Fachoberschulen, die nicht so sehr auf den universitären Bildungsweg vorbereiten, sondern eher fachspezifisches Wissen vermitteln. Hochschule Etwa die Hälfte aller Schüler beginnt nach Abschluss der Oberschule ein Studium an einem College oder einer Universität. Vor dem Studium steht jedoch die Aufnahmeprüfung, die vor allem an angesehenen Universitäten eine große Hürde darstellt. Wer sie meistert, dem stehen im Berufsleben alle Türen offen. Die meisten Japaner verlassen nach vier Jahren Studium die Universität mit einem Bachelor-Abschluss. Darüber hinausgehende Studien zum Master und Doktor sind möglich. Allerdings wirkt sich ein höherer Bildungsabschluss selten positiv, und durch das höhere Einstiegsalter mitunter negativ auf die Karriere aus. Umgekehrt gibt es in Japan beliebte, verkürzte Studiengänge von zwei Jahren. Details dazu finden Sie im Kapitel „Karriere“ unter dem Punkt „Studium“. Paukschule („juku“) Ein wichtiger Bestandteil des japanischen Bildungssystems sind die im deutschen Bildungssystem unbekannten „juku", die „ Paukschulen“. Diese privaten Einrichtungen sollen den Unterricht der regulären Schulen ergänzen und auf die Aufnahmeprüfungen des nächsthöheren Schultyps vorbereiten. Schon in der Grundschule werden ein Drittel der japanischen Schüler von ihren Eltern in diese Institutionen geschickt, deren Unterricht oft am späten Nachmittag und/oder Abend stattfindet und deshalb den Kindern und Jugendlichen kaum Freizeit lässt.

Erwachsenenbildung

Japaner geben viel Geld aus für Erwachsenenbildung, vor allem fürs Erlernen von Fremdsprachen, wie Englisch und Chinesisch. Der Markt ist unter privaten Anbietern aufgeteilt, die sowohl an Schulen Kurse anbieten, als auch eine Weiterbildung per Fernstudium ermöglichen. Eine Institution wie die deutsche Volkshochschule gibt es in dem Sinne nicht. Zum Teil werden solche Aufgaben von den Kulturzentren von Städten und Stadtteilen übernommen. Sie bieten zum Beispiel Koch- und Japanisch-Kurse an. Darüber hinaus gibt es, wie in Deutschland, viele Clubs und Vereine. Wenn Sie gerne Japanisch lernen möchten, finden Sie Details dazu unter dem Punkt „Leben in Japan“, „Japanisch lernen“.