Geschichte

Frühgeschichte


Über die japanische Frühgeschichte ist wenig bekannt. Man vermutet, dass sich die ersten Menschen im Paläolithikum zwischen 100.000 und 30.000 vor Christus über eine Landbrücke zwischen Sibirien und dem heutigen Hokkaido auf dem japanischen Archipel ansiedelten. Vom Süden könnten Menschen über eine Landbrücke von Korea eingewandert sein. In einem dritten Schub, so vermutet man, kamen Einwanderer aus Südostasien über den Seeweg ins Land. Sie lebten als wandernde Jäger und Sammler. Sie fertigten aber auch Keramik mit charakteristischen Mustern an. Danach ist die von etwa 10.000 bis 300 vor Christus dauernde Jomon-Zeit benannt.

660 vor Christus soll der Mythologie nach der Jimmu-Tenno, auf den sich das Kaiserhaus beruft, den „Chrysanthemen-Thron“ bestiegen haben. Es gab damals noch kein vereintes Japan. Vielmehr kämpften einzelne Stammesgemeinschaften um die Vorherrschaft.

Der Übergang von der Jäger- zur Reisanbaukultur markiert den Beginn der Yayoi-Zeit 300 vor Christus bis 250 nach Christus. Die Menschen begannen, Gerätschaften aus Bronze und Eisen zu nutzen. Die Versorgung der Bevölkerung verbesserte sich.

Die Kofun-Zeit (300-538 nach Christus) ist benannt nach charakteristischen Grabhügeln. Später wurden diese von buddhistischen Riten verdrängt. Japan nahm damals Einflüsse aus China auf, zum Beispiel aus dem Konfuzianismus und dem Taoismus. Die damalige Hauptstadt hieß Yamato (heute in der Präfektur Nara). Die politische Macht lag nicht beim Yamato-Kaiser, sondern bei der einflussreichen Familie Soga. Sie förderte die Einführung des Buddhismus im sechsten Jahrhundert. Mit dem Buddhismus waren auch die chinesischen Schriftzeichen eingeführt worden. Japanisch konnte so erstmals verschriftlicht und die Geschichte des Landes dokumentiert werden. Es bildete sich ein feudales System heraus.

 

Aufstieg der Samurai

 
710 wurde die Kaiserstadt von Yamato nach Nara verlegt (Nara-Zeit, 710-794 nach Christus) und eine Zentralregierung geschaffen. Der Einfluss aus China blieb stark.

794 wurde der Sitz des Kaisers erneut verlegt, ins heutige Kyoto. Der alte Name der Stadt gab der Heian-Zeit ihre Bezeichnung. Es begann eine kulturelle Blütezeit. Politisch nahmen Kriegerclans dem Hofadel zunehmend die Macht ab. Dies wurde möglich, weil in der Heian-Zeit Landbesitz vermehrt an private Großgrundbesitzer weitergegeben wurde, die mithilfe der Samurai-Krieger ihr Land zu schützen suchten. Dies hatte einen Aufstieg der Kriegerkaste zur Folge.

Die Samurai prägten auch die Kamakura-Zeit (1195-1333 nach Christus), benannt nach dem Hauptsitz des Shogunats des Minamoto-Clans in der südlich von Tokyo gelegenen Stadt Kamakura. In diese Zeit fallen zwei Invasionsversuche im 13. Jahrhundert durch die Mongolen unter Kublai Khan, einem Enkel des legendären Dschinghis Khan. Sie schlugen beide Male fehl, weil starke Wirbelstürme die Flotten der Mongolen vernichteten. Die Taifune wurden als Kamikaze, als Götterwinde, interpretiert. 

Die Zeit von 1338 (1392) bis 1573 wird in der japanischen Geschichte als Muromachi-Zeit bezeichnet. Der Buddhismus nahm unter der Herrschaft des Ashikaga-Clans weiter an Bedeutung zu. Sein Einfluss spiegelt sich in der Architektur und der Malerei wieder. Japanische Mönche fuhren zum Handel mit Schwertern und kunstgewerblichen Artikeln nach China. Von dort importierten sie Bücher, Keramiken und Textilien.

Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts war geprägt von Kämpfen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen um Landbesitz und Vorherrschaft. Rund 130 Jahre dauerte die Zeit der „kriegführenden Provinzen“, die Sengoku-Zeit.

 

Edo-Zeit

 
Erst in den letzten drei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts wurde das Land unter den Samurai Oda Nobunaga, Tojotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu schrittweise vereint. In der Entscheidungsschlacht von Sekigahara setzt sich Tokugawa 1603 durch. Er gab sich den Titel Shogun, ein Militärtitel für Anführer der Samurai. Er verlegte die Hauptstadt von Kyoto nach Edo, ins heutige Tokyo. Sie gab dieser Zeitperiode ihren Namen, Edo-Zeit, von 1603 bis 1868. Unter der starken Führung des Tokugawa-Clans begann damit die längste ununterbrochene Friedensperiode eines Landes in der Neuzeit weltweit.

Während dieser Ära verschloss sich Japan über 200 Jahre lang gegenüber dem Ausland. Westliche Ausländer wurden Mitte des 17. Jahrhunderts bis auf wenige Ausnahmen aus Japan verbannt, die Regelungen für Chinesen waren etwas lockerer. Umgekehrt durften Japaner, die sich im Ausland aufhielten, unter Androhung der Todessstrafe nicht von dort zurückkehren. Eine Ausreise war Japanern ebenfalls strikt untersagt.

Die Zeit der Isolation brachte einerseits neue große Städte und kulturelle Errungenschaften hervor, andererseits kam es häufig zu Bauernaufständen gegen die schwere Abgabenlast. Während der Edo-Zeit war die Gesellschaft in Stände aufgeteilt, mit den Samurai an der Spitze, darunter die Bauern und Handwerker, und an unterster Stelle, weil sie nichts produzieren, die Kaufleute. 

Wendepunkte: Schwarze Schiffe und Meiji-Restauration


Das Jahr 1853 markiert einen Wendepunkt in der japanischen Geschichte. Vor der Küste Japans tauchten vier „schwarze Schiffe“ auf, die von US-Seeoffizier Commodore Matthew Perry angeführt wurden. Sie landeten im Juli 1853 in der Bucht von Edo, dem heutigen Tokyo. Perry überbrachte ein Schreiben des damaligen US-Präsidenten Fillmore, der die Öffnung der japanischen Häfen forderte. So unter Druck gesetzt, öffnete Japan mehrere Häfen und schloss Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten, später auch mit England, Russland und Preußen.

Der zweite Wendepunkt war die so genannte Meiji-Restauration im Jahre 1868. Damals wurde die Regierungsmacht des Kaisers wiederhergestellt; die Samurai wurden entmachtet. Es folgte eine Zeit der rapiden Modernisierung und Industrialisierung des Staates. Mit der Meiji-Verfassung von 1889 wurde Japan eine konstitutionelle Monarchie. Das Ständesystem wurde abgeschafft.

Japan orientierte sich in der Meiji-Zeit (1868-1912) stark am Ausland: Es holte Experten ins Land, entsandte aber auch eigene Leute ins Ausland, um Wissen und Kenntnisse zu sammeln.

Außerdem versuchte Japan zu den Weltmächten aufzuschließen. Dazu führte es Expansionskriege (China 1894/95, Russland 1904/05) und machte Taiwan (1895-1945) und Korea (1910-1945) zu japanischen Kolonien. Japan war damals stark vom Militär geprägt; die Kosten dafür machten ein Drittel des Staatshaushaltes aus. 

In der Taisho-Zeit (1912-1926) verschoben sich die Machtverhältnisse im Land weg von den Beamten und hin zu demokratischen Parteien. Daher wird diese Zeit auch Taisho-Demokratie genannt. In diese Zeit fällt das große Kanto-Erdbeben 1923, das 140.000 Tote im Gebiet von Tokyo und Yokohama forderte, viele durch Brände nach dem Beben.

Showa-Demokratie

 
Die Thronbesteigung von Kaiser Hirohito im Jahr 1926 markierte die Rückkehr zum militärisch geprägten Japan. Dabei hatte Hirohito für seine Regierungszeit als Motto Showa ausgegeben, „die Ära des erleuchteten Friedens“. Japan besetzte 1931 die Mandschurei und begann, China zu erobern.

Nachdem 1939 in Europa der Zweite Weltkrieg begann, schlug sich Japan auf die Seite der Achsenmächte. Mit seinem Luftangriff auf den amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbour 1941 trat Japan aktiv in den Zweiten Weltkrieg ein, um seinen Wunsch nach Weltmachtstatus und seine Vormachtstellung in Asien zu untermauern.

Bombenabwürfe durch die US-Armee auf Japan forderten viele Opfer in ganz Japan. Auf Okinawa führte eine Bodenoffensive der US-Armee gegen Ende des Krieges zu vielen zivilen Opfern. Kurz nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 erklärte der japanische Kaiser Hirohito die Kapitulation Japans. 

Nach Kriegsende wurde Japan unter amerikanische Verwaltung gestellt. Der amerikanische General Douglas MacArthur leitete die anschließende Demilitarisierung und Demokratisierung des Landes. 1952 gewann Japan seine Souveränität zurück. In den folgenden Jahrzehnten erlebte Japan einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Land entwickelte sich zu einer hochmodernen Industriegesellschaft.

Heisei-Zeit


1989 begann die Heisei-Zeit („Frieden überall“) mit der Thronbesteigung von Kaiser Akihito. Diese fiel mit turbulenten Zeiten in Japans Wirtschaft zusammen: Fehlspekulationen an der Börse und das Platzen der Blase des Immobilien- und Aktienmarkts führten dazu, dass Japan in den 1990ern in ein „verlorenes Jahrzehnt“ mit Deflation und Nullwachstum eintrat. 

Das Jahr 1995 war überschattet von dem schweren Hanshin-Erdbeben in Kobe, bei dem über 6.000 Menschen starben, und den Anschlägen mit Sarin-Giftgas auf die Tokyoter U-Bahn, die über ein Dutzend Tote und Tausende Verletzte forderten.

Anfang des 2. Jahrtausends erholte sich Japan wieder leicht vom Stillstand der 1990er Jahre. Politisch prägte die Ära unter Premierminister Junichiro Koizumi das Land (2001-2006).

 2008 erfasste Japan die weltweite Wirtschaftskrise. Ein Jahr später wurde es von China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Innenpolitisch trat Japan in eine instabile Periode ein, geprägt von jährlichen Wechseln des Premierministers.

Im März 2011 stürzte die Dreifachkatastrophe in Ostjapan das Land in die Krise, als nach einem Beben der Stärke 9,0 riesige Tsunami mehrere Hundert Kilometer Küste am Pazifik stark zerstörte und zur Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi führten. Der Ostteil der Präfektur Fukushima wurde durch die freigesetzte Radioaktivität unbewohnbar.