Religion

Shinto und Buddhismus

Die meisten Japaner sind sowohl Anhänger der japanischen Urreligion Shinto als auch des aus China importierten Buddhismus. Der Shintoismus („Weg der Götter“) ist eine Naturreligion, die fast ausschließlich in Japan praktiziert wird. In dieser Glaubensrichtung können Götter, von denen es theoretisch unendlich viele gibt, als Mensch, Tier, Gegenstand, Pflanze oder gar Fabelwesen auftreten. Shinto-Riten werden meist bei freudigen Anlässen (Heirat, Bitte um Glück im Alltag) durchgeführt. Der Sitz des jeweiligen Shinto-Gottes wird als Schrein (Jinja) bezeichnet. Er ist mit einem großen Tor (Torii) von der irdischen Welt abgetrennt. 

Der Buddhismus wird herangezogen, wenn es um das Jenseits geht, etwa bei einem Trauerfall. Er wird in Tempeln (o-tera) praktiziert. Während die ersten buddhistischen Einflüsse bereits im sechsten Jahrhundert in Japan spürbar wurden, entstand ab dem zwölften Jahrhundert durch weitere Einflüsse aus China eine neue Richtung des Buddhismus, in dessen Zentrum die Meditation (zazen) steht. Diese Ausprägung der Religion ist bekannt als Zen-Buddhismus.

Neue Religionen

In den letzten 150 Jahren sind etwa 300 „neue Religionen“ (shinshukyo) bzw. Sekten entstanden, die sich oft weder eindeutig dem Buddhismus, noch dem Shintoismus zuordnen lassen. Die größte Sekte in Japan ist die Soka Gakkai („Werteschaffende Gesellschaft“), eine buddhistische Religionsgemeinschaft, die nach eigenen Angaben weltweit mehrere Millionen Mitglieder hat. Die 1930 in Japan gegründete Organisation geht auf den Nichiren-Buddhismus des gleichnamigen Gelehrten zurück (1222–1282). Die Sekte ist seit 1983 als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen akkreditiert.

Weltweit bekannter ist die Aum-Sekte (Oumu Shinrikyo). Deren Mitglieder verübten 1995 einen tödlichen Giftgasanschlag mit Sarin auf die Tokyoter U-Bahn, bei dem 13 Menschen starben und Tausende verletzt wurden. Unter dem Namen Aleph ist die Organisation weiterhin aktiv, wenn auch angeblich in anderer Form. Der Anführer sitzt in der Todeszelle, weitere führende Mitglieder sind ebenfalls in Haft.

Christentum und Islam

Die Anhänger des Christentums machen mit rund 2,5 Prozent nur einen kleinen Anteil der japanischen Bevölkerung aus. Eine Hochzeit in Weiß in einer Kapelle vor einem Priester, meist ein europäischer oder amerikanischer Schauspieler, erfreut sich jedoch großer Beliebtheit in Japan.

Der Islam wird hauptsächlich von Ausländern praktiziert, die in Japan wohnen. Die Zahl der Muslime in Tokyo ist gering, doch finden sich über die Stadt verteilt Gebetsräume und Moscheen, wie die in Yoyogi-Uehara (Chiyoda-Linie).

Wer sich für Religion in Japan interessiert, findet auf der Website des Japanologen Bernhard Scheid weiterführende Informationen.