Wirtschaft

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte Japan ähnlich wie Deutschland ein Wirtschaftswunder. Aus dem früheren Agrarland wurde in wenigen Jahrzehnten eine High-Tech-Nation. Seit den 1960ern wuchs die japanische Wirtschaft jährlich zwischen vier und zehn Prozent. Diese Überflieger-Phase endete erst Ende der 1980er, als die Seifenblasenökonomie (Bubble Economy) in Japan platzte. Der Grund waren Fehlspekulationen am japanischen Aktien- und Immobilienmarkt. Seit den 1990ern kommt das Wirtschaftswachstum in Japan nicht mehr an die Vergangenheit heran. Es bewegt sich nach langer  Stagnation im niedrigen einstelligen Bereich.

Lange war Japan nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und die wichtigste Wirtschaftsmacht in Asien. In den letzten Jahren sieht sich Japan zunehmend der Konkurrenz vom Kontinent ausgesetzt. China, Japans wichtigster Wirtschaftspartner, hat Japan inzwischen überholt.

Typisch für die japanische Wirtschaft sind Kartelle und Gruppierungen in einer Industrie. Ein Beispiel dafür ist das Keiretsu-System, ein informelles Netzwerk zwischen Zulieferbetrieben, Herstellern und Distributoren.

Japanische Firmen sind dafür bekannt, dass sie ihren Mitarbeitern eine lebenslange Anstellung garantieren, im Austausch für deren Loyalität und uneingeschränkte Arbeitskraft. Seit die Wirtschaft seit den 1990ern schwächelt, ist das System jedoch ins Wanken geraten. Zwar ist die lebenslange Festanstellung weiter das Ziel vieler Berufsanfänger. Doch immer mehr Firmen vergeben nur noch zeitlich beschränkte Arbeitsverträge. In Japan geht die Schere zwischen kaum abgesicherten, schlecht bezahlten Teilzeitkräften und gut versorgten Festangestellten geht immer weiter auf. 

Ein großes Problem für die japanische Wirtschaft ist die extrem hohe Staatsverschuldung, die inzwischen mehr als zweimal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt ist – Tendenz steigend. Ein Großteil der Schulden wird von den eigenen Bürgern getragen. Zwar wird das Thema diskutiert. Ernsthafte Sparmaßnahmen wurden jedoch bisher nicht umgesetzt; stattdessen werden immer wieder neue kostspielige Konjunkturprogramme aufgelegt.

Japan ist wie keine andere Industrienation vom demografischen Wandel bedroht. Die Bevölkerung überaltert und schrumpft rapide. Ein beginnender Mangel an Fachkräften macht vielen Firmen Sorgen. Verschiedene Lösungen werden diskutiert, von der besseren Integration von Frauen und Senioren in den Arbeitsmarkt bis hin zu Sonderprogrammen, um ausländische Arbeitskräfte zeitlich begrenzt nach Japan einzuladen.

 

Japan ist eine rohstoffarme Nation, die Öl, Erze und Gas in großen Mengen aus dem Ausland importieren muss. Seit der Atomkatastrophe von Fukushima, nach der viele Kernreaktoren abgeschaltet wurden, sind die Importe weiter angestiegen. Zugleich baut Japan seine Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen aus, wie Wind- und Solarkraft.

Bei den Lebensmitteln ist das Bild weniger einheitlich. Japan kann zwar fast den kompletten Bedarf an Reis mit der eigenen Produktion decken; bei Fleisch hingegen ist es auf Importe angewiesen. Japan unterhält eine der größten Fischfangflotten der Welt. 

Aktuelle Zahlen und Fakten zur japanischen Wirtschaft finden Sie auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes, Destatis, auf Deutsch. Das japanische Statistikbüro bietet aktuelle Daten auf Englisch an. Weiterführende Informationen zur japanischen Wirtschaft finden Sie in der Rubrik „Markt im Fokus“.