Wort und Schrift

Ursprung der japanischen Schrift


In der Sprachwissenschaft ist nicht eindeutig geklärt, wo die Ursprünge der japanischen Sprache liegen. Als sicher gilt, dass Japanisch mit dem Koreanischen stark verwandt und aus einer gemeinsamen Sprache entstanden ist. So ist die Grammatik dem Koreanischen sehr ähnlich, während sich der Wortschatz stark unterscheidet. Die japanische Schrift, die aus China importiert wurde, entstand erst relativ spät. Lange wurden alle wichtigen Dokumente auf Chinesisch geschrieben, das nur wenige, sehr gebildete Japaner beherrschten. Die ältesten überlieferten japanischen Aufzeichnungen stammen aus dem siebten Jahrhundert.

Im Laufe der Zeit entstanden drei Zeichensysteme. Es gibt Schriftzeichen (Kanji), die aus dem Chinesischen entlehnt wurden, und zwei daraus abgeleitete, vereinfachte Silbenschriften: Hiragana und Katakana. Parallel werden auch lateinische Schriftzeichen (Romaji) verwendet, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg Verbreitung fanden.

 

Schreibung und Grammatik


Die Schreibrichtung ist traditionell von oben nach unten und von rechts nach links. Es gibt jedoch auch Texte, die im westlichen Stil geschrieben sind, d.h. in Zeilen von links nach rechts.

Japanische Schulkinder lernen zuerst die Silbenschrift Hiragana, die zur Kennzeichnung von grammatikalischen Strukturen dient. Danach lernen sie Katakana, eine weitere Silbenschrift, die meist für Fremdwörter und zur Betonung benutzt wird. Schließlich üben sie die rund 2.000 vom Erziehungsministerium vorgeschriebenen Kanji ein. Diese haben entweder eine eigenständige Bedeutung, dienen als Wortelement oder lediglich der Aussprache. Kanji haben oft zwei oder mehr Lesearten. Man unterscheidet zwischen der aus dem Chinesischen abgeleiteten On-Lesung sowie der japanischen Kun-Lesung. 

Die Syntaxfolge lautet Subjekt, Objekt, Prädikat. Es gibt keine Artikel, Nomen werden nicht dekliniert, Verben nicht konjugiert. Ob ein Wort in der Ein- oder Mehrzahl ist, wird nur aus dem Zusammenhang oder durch zusätzliche Zählwörter klar. Die Fälle werden mit Partikeln markiert. Diese erfüllen außerdem die Funktion von Präpositionen.

 

Eine Frage der Höflichkeit


Das Japanische kennt eine genaue Unterscheidung der sozialen Gefüge. Ob man Vorgesetzte, Kollegen, den Ehepartner oder die eigenen Kinder anspricht, hat erhebliche Auswirkungen auf den Sprachgebrauch. Generell gilt: Je länger, desto höflicher. Steht der Gesprächspartner in der Hierarchie deutlich höher, wird keigo verwendet, die Höflichkeitssprache. Frauen benutzen sie häufiger als Männer. Das Japanische kennt Frauen- und Männersprache, die sich im Vokabular unterscheidet.

 

Klassische Literatur

 
Die älteste überlieferte Literatur in japanischer Sprache ist das „Kojiki“, eine von zwei Hauptquellen für die japanische Urreligion, den Shintoismus. Die zweite Quelle heißt „Nihonshoki“. Beide Aufzeichnungen entstanden Anfang des achten Jahrhunderts. Es geht darin um die mythologischen Ursprünge Japans. Sie enthalten nicht nur Prosa, sondern auch Gedichte. Der älteste überlieferte Gedichtband trägt den Titel „Manyoshu“. Es handelt sich um eine Sammlung von Gedichten, die sich teils bis auf das vierte Jahrhundert zurückdatieren lassen.

Im elften Jahrhundert wurden Frauen als Verfasserinnen literarischer Werke berühmt, wie Sei Shonagon mit dem „Kopfkissenbuch“ und Murasaki Shikibu, die Autorin von „Die Geschichte vom Prinzen Genji“, des ältesten erhaltenen Romans weltweit.

Parallel dazu entwickelten sich verschiedene Gedichtformen, darunter die berühmten Haiku. Dabei handelt es sich um kurze Verse mit streng reglementierter Silbenzahl und jahreszeitlichen Verweisen. Der bekannteste Haiku-Dichter ist Matsuo Basho, der im 17. Jahrhundert lebte.

Moderne Literatur


Haruki Murakami ist außerhalb Japans der bekannteste japanische Romanautor der Moderne. Der 1949 geborene Autor baut häufig surrealistische Elemente in seine Werke ein. Er spielt auf die Popkultur, aber auch aktuelle Vorkommnisse wie Erdbeben und Terroranschläge an. Seine Bücher erhielten zahlreiche Literaturpreise und wurden in rund 40 Sprachen übersetzt. Zu seinen Werken zählen zum Beispiel „Naokos Lächeln“, „Sputnik Sweetheart“ und „Kafka am Strand“.

Der Autor Kazuo Ishiguro wurde in Japan geboren, ist aber weitgehend in England aufgewachsen. Er wurde durch die Verfilmung eines seiner Romane, der den Titel „Was vom Tage übrig blieb“ (1989) trägt, international bekannt. Für seinen Roman bekam er den wichtigsten Literaturpreis Großbritanniens, den Booker Prize. 

Mishima Yukio (1925-1970), einer der bekanntesten japanischen Schriftsteller, fühlte sich in vielen Literaturgattungen zuhause, von Romanen bis hin zu Liedtexten. Er ist bekannt für seine nihilistische Nachkriegsliteratur.
 

Manga


Japan ist international bekannt für die Literaturform Manga („ungezügeltes Bild“), gezeichnete Bildergeschichten. Die Themenpalette reicht von der Schule über den Beruf bis hin zu Geschichte, Politik und Umweltthemen. Manga sind in Japan beliebt bei Jung und Alt und ein Millionengeschäft. Aber auch in Europa finden japanische Comics ein immer größeres Publikum. Manche Manga-Fans verkleiden sich gerne als ihre liebste Manga-Figur (Cosplay).

Immer wieder werden Manga-Geschichten in Form von Anime auf die Kinoleinwand gebracht. Der bekannteste Anime-Regisseur ist Hayao Miyazaki, der mit seinen Filmen „Mein Nachbar Totoro“, „Prinzessin Mononoke“ oder „Chihiros Reise ins Zauberland“ Weltruhm erlangte.