Jun 18

Renewable Energy in Germany and Japan: Solutions for Offshore Wind Energy Projects

Sieben deutsche Unternehmen haben auf einer Veranstaltung der AHK Japan verschiedene Praxisfälle, Projekte und Technologien für Offshore-Windkraft vor 120 Gästen vorgestellt. Anlass war der erwartetete Boom in diesem Energiesektor in Japan.

Startschuss für Aufschwung

Windkraftanlagen liefern 20,4 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. Bis zum Jahr 2030 sollen Offshore-Turbinen mit einer Leistung von 15 Gigawatt am Netz sein. Auf diesem Energiefeld liegt Japan bislang weit zurück. Doch mit dem „Gesetz zur Förderung von erneuerbaren Energie auf See“ ist nun der Startschuss für den Bau von Offshore-Windparks gefallen.

„Windparks haben ein riesiges Potenzial – nach Angaben der Japan Wind Power Association bis 2030 bis zu 36 Gigawatt, in Deutschland bis zu 85 Gigawatt“, konstatierte Lucas Witoslawski, stellvertretender Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Japan, zum Auftakt des Symposiums. Dabei verwies Witoslawski auf globale Ziele als Ultima Ratio der Energiewende. Die Windkraft trage dazu bei, den Klimawandel zu bremsen.

Stefan Moebs, Wirtschaftsattaché der Deutschen Botschaft in Tokio, sah bei der Windkraft ein „Füllhorn von Chancen“. Anders als Deutschland gebe es in Japan bereits ein Netz für den Transport von Windstrom. „Der politische Wille ist derzeit nicht stark, aber die Unternehmen sind die Pioniere des technologischen Fortschritts“, sagte Moebs. „Nutzen Sie diese einzigartige Marktgelegenheit!“

Herausforderungen in Deutschland

Als erster Referent fasste Uwe Knickrehm, CEO beim Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO), die deutschen Erfahrungen mit Windfarmen im offenen Meer zusammen. Aus japanischer Sicht war zunächst interessant, dass die Windparks in deutschen Gewässern nicht nur in deutscher Hand sind. Auch Unternehmen aus Schweden und Dänemark betreiben oder planen Windparks.

Die aktuellen Herausforderungen in Deutschland seien der Ausbau und die Optimierung des Stromnetzes, berichtete Knickrehm. Der im Norden und auf der Nordsee erzeugte Windstrom müsse zu den industriellen Zentren im Süden transportiert werden. Die Bevölkerung sei für erneuerbare Energien, sagte Knickrehm, aber die Bürger lehnten den Bau von Strommasten in ihrer Nähe ab.

Zeitlücke durch Verfahrensumstellung

Eine andere Bremse für die Offshore-Windkraft entstand durch die Umstellung vom festen Einspeisetarif für Windstrom zu einem Auktionsverfahren für neue Windparks. Dieser Verfahrenswechsel führt dazu, dass in den nächsten Jahren kaum neue Kraftwerke errichtet werden. „Das können einige kleine und mittlere Unternehmen in der Wertschöpfungskette nicht überstehen“, warnte Knickrehm.

Der BWO-Chef plädierte dafür, das derzeitige Regierungsziel von 15 Gigawatt Windstrom für 2030 auf 20 Gigawatt anzuheben und für 2035 insgesamt 30 Gigawatt anzustreben. Ein Grund sei der Preisverfall von Windstrom vor allem als Folge größerer Turbinen. Nur Braunkohle sei noch preisgünstiger als Windstrom. Als zweiten Grund nannte Knickrehm die Tatsache, dass Offshore-Windparks ähnlich wie Wärmekraftwerke stabil und regelmäßig Strom produzierten.

Fallendes Festlandschelf in Japan

Kaoru Saito, Board-Mitglied der Japan Windpower Association (JWPA) und des Ingenieurdienstleisters Tokusyu Kousyo Gijutsu Inc., beleuchtete die aktuelle Situation und die Perspektiven der Offshore-Windkraft in Japan. Ein zentraler Unterschied wirkt sich am stärksten auf diese Art der Stromerzeugung aus: Deutsche Windfarmen stehen Dutzende Kilometer in der offenen Nordsee, die höchstens 80 Meter tief sei. Dagegen falle das Schelf an den japanischen Küsten schon nach 500 bis 1.000 Metern tief ab, sagte Saito.

Die Regulierung von Windkraft in Japan hat ebenfalls ihre Tücken. Jahrelang fehlte eine gesetzliche Grundlage für den Bau von Offshore-Farmen. Das Gesetz kam erst im Dezember zustande und trat zum 1. April in Kraft. Dennoch habe Japan in der Zwischenzeit nicht geschlafen, meinte Saito: „Verglichen mit anderen Ländern haben wir schwimmende Umschaltstationen früh entwickelt, deswegen sind wir auf diesem Gebiet führend“, sagte der Experte.

Fehlender Ehrgeiz des Staates

Nach seinen Angaben befinden sich in Japan derzeit Offshore-Turbinen für effektiv 23 Megawatt in Betrieb. Die Regierung strebt in ihrem jüngsten Energieplan einen Anteil von 22 bis 24 Prozent an erneuerbaren Energien am Strommix für 2030 an. Davon sollen 1,7 Prozentpunkte aus der Windkraft stammen. Das entspräche lediglich 1,8 Gigawatt an Turbinen, davon mehr als 90 Prozent auf dem Land.

Die Japan Windpower Association hat jedoch ehrgeizigere Pläne. Bis 2030 könnte die Windkraft 36,2 Gigawatt liefern, davon 26,6 GW auf Land und 8,4 GW auf See. „Wir glauben, dass die Zukunft vielversprechend ist“, sagte Saito optimistisch. Bisher habe die japanische Regierung jedoch noch kein Ziel für die Kapazität festgelegt.

Daher schlägt JWPA vor, eine staatliche Vorgabe von 10 Gigawatt für 2030 und 37 Gigawatt für 2050 zu machen. „Wie die Beispiele Deutschland, Großbritannien und Dänemark zeigen, führt ein ehrgeiziges Ziel zur Entwicklung der Industrie, zu Investitionen, Arbeitsplätzen, einer wirtschaftlichen Revitalisierung, sinkenden Kosten und mehr Installationen“, argumentierte Saito.

Gesetzliche Regulierung „ungenau“

Anschließend präsentierten deutsche und japanische Fachleute und Unternehmen der Offshore-Windenergie lehrreiche Projekte und die neuesten Technologien. Die Veranstaltung ermöglichte damit den Austausch über Best Practices und operatives Knowhow im Bereich der Offshore-Windenergie und förderte den wirtschaftlichen Austausch zwischen den Branchen beider Länder.

Der Hintergrund dieses Symposiums „Renewable Energy in Germany and Japan: Solutions for Offshore Wind Energy Projects“: Jährlich fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Exportaktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen im Bereich von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Aufgrund der Gesetzesänderung zur Förderung von Offshore-Wind lag der Fokus der diesjährigen Maßnahme auf dieser Stromquelle.

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